Orlando BochumOrlando,
Titelheld(in) einer fabulösen Episode, eines historischen Riesenfreskos, das 400 Jahre umgreift, einer Biographie, die 400 Jahre überdauert, dasselbe Leben? Gewiss - denn was ist Zeit und ihre Dauer? AUßer der "außerordentlichen Unstimmigkeit zwischen der Zeit auf der Uhr und der Zeit im Geiste wissen wir nichts von ihr.
Orlando
wird als träumerischer Knabe ein Günstling der Königin Elisabeth, liebt und schlägt sich durch das Zeitalter bis zu dem großen Frost, wo Englands Hof Karneval auf dem Eis feiert, er sich sterblich in eine russische Prinzessin verliebt, verraten und betrogen wird, alle Qualen der Liebe durchleidet, schließlich als Gesandter nach Kleinasien, kehrt sodann nach England zurück, um dort die folgenden Jahrhunderte zu durchwandern - unverändert, grüblerisch wie genüßlerisch, teils als große Dame des Salons, teils lebensabgewandt, der Einsamkeit zugesprochen.
Virginia Woolfs tiefsinnige Grüblerei über die Auswechselbarkeit der Zeiten und der Identitäten, ein Lebensentwurft, der weder fixierte Zeit noch gebändigten Raum, ja nicht einmal mehr die unaufhebbare Identität, auch und gerade die geschlechtlich bestimmte, duldet.
Oder, um mit den Worten ihres Sohnes Nigel Nicolson zu sprechen, ist der Roman Orlando, erschienen im Oktober 1928, "der längste und charmanteste Liebesbrief in der Literatur", gewidmet Vita Sackville-West.
Orlando wurde verfilmt im Jahre 1992. Buch und Regie: Sally Potter.
Mit Tilda Swinton (Orlando), Billy Zane (Shelmerdine), Lothaire Bluteau (Khan), Quentin Crisp (Königin Elizabeth I), Heathcote Williams (Nick Greene), Charlotte Valandrey (Sasha).
Land: Großbritannien, Russland, Frankreich, Italien, Niederlande.
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